Korsika: Mikrocamper Sommer

Tourenname: Rund um Korsika
Schwierigkeit: leicht
Tourenlänge: 1005 km
Höhenmeter: 10631 m
Ausrichtung: Rundkurs
Höchster Punkt: 717 m
GPS: Route und Track als GPX

Wer wie wir gern unterwegs ist, will viel sehen und viel erleben. Unser Planet hat Tausende und Millionen von Orten, die absolut sehenswert sind. Denkt man nur daran, wie verschieden Flora und Faune überall sind, wie Gebirge hier und dort entstanden, wie Wasser die Gebiete prägen kann und welche Geschichten die Kulturen rund um den Globus erzählen, dann erhält jeder Ort ein interessantes und spannendes Charisma. Die Welt ist voller sehenswerter Plätze.

Auf dieser Reise geht es für uns auf eine Insel im Süden. Das klingt erstmal unspektakulär. Doch unser Reiseziel vereint Gebirgslandschaften, die zu Outdoor-Aktivitäten und faszinierenden Fernblicken einladen, mit paradiesischen Küstenlandschaften und malerischen Regionen. Die Rede ist hier von der französischen Insel Korsika.
Die Insel ist die viertgrößte des Mittelmeers und hat eine eindrucksvolle Gebirgslandschaft. Die meiste Fläche besteht aus Hochgebirge mit der größten Erhebung, die 2706 m üNN liegt, dem Monte Cinto. Diese Charakteristik verleiht Korsika den Beinamen “Gebirge im Meer”.
Das Mittelmeerklima bringt eine besondere Pflanzenwelt hervor. Auf Korsika haben sich vor allem Macchia-Pflanzen angesiedelt und wachsen auf fast der Hälfte der Insel. Sie haben viele ätherische Öle und duften sehr intensiv. Aus diesen typisch korsischen Gewächsen, insbesondere der Myrte, werden verschiedene Gewürze und Liköre hergestellt hergestellt. Ein weiterer wichtiger Part der Pflanzenwelt ist die Kastanie. Früher war sie eines der Hauptnahrungsmittel der Inselbewohner, weshalb sie auch Brotbaum genannt wird. Heute noch finden die Früchte vielseitig Verwendung, unter anderem als Kastanienmehl. Aus diesem backen die Korsen leckeren Kuchen und Kekse und brauen sogar Bier daraus. Das wohl bekannteste der Insel ist das Pietra.

Korsika ist sehr facettenreich und ein Paradies für alle, die bei ihrer Reise Berge und Meer vereinen wollen.

Der Norden Korsikas

Unsere Reise beginnt in Deutschland. Die Straßen führen uns auf direktem Weg nach Süden, um genau zu sein zur italienischen Hafenstadt Livorno. Die 12 Stunden Fahrtweg teilen wir uns auf 2 Tage auf. In der Nähe von Rosenheim legen wir den ersten Halt ein und holen uns eine Mütze Schlaf. Am nächsten Tag starten wir dann sehr früh, um auf der Überfahrt über den Brenner in keinen großen Stau zu geraten. Dieser Plan hat gut funktioniert und wir sind schon um die Mittagszeit in Italien. Da unsere Fähre erst am nächsten Morgen fährt, halten wir in Verona an. Dort verschaffen wir unseren Beinen eine Abwechslung zum recht langen Sitzen während der Fahrt und machen zu Fuß die Stadt unsicher. Festzuhalten ist, dass Italien sehr leckeres Eis hat und vor dem durch Shakespeare berühmten Balkon von Romeo&Julia eine wahnsinnig lange Schlange steht und man aber auch einen kurzen Blick so erhaschen kann.
Nach unseren Aufenthalt machen wir uns auf in die Hafenstadt Livorno. Gegen Abend erreichen wir unser Ziel. Wir haben Glück und finden noch einen Parkplatz direkt am Hafen. So können wir am nächsten Tag zwar früh, jedoch entspannt aufstehen und auf das Schiff fahren. Umringt von anderen Campern und Wohnwagen legen wir uns im Dachzelt schlafen.

sunset on cap corse
Sonnenuntergang am cap corse ©Christian Hein

Die Fähre legt die etwa 198 km in guten 6 Stunden zurück und wir landen in Bastia. Schon betreten oder eher befahren wir korsischen Boden.
Bei einer kleinen Rast verschaffen wir uns nochmal einen Überblick über die Insel. Wir sichten Plätze, die sich zum Paddeln eignen und Klettergebiete.

Wir bereisen zuerst den nördlichen Teil der Insel, der auf der Karte wie ein kleiner Zipfel oder Zeigefinger aussieht. Es gibt schöne Sandstrände, die zum Baden einladen, einige Felsformationen, die beklettert werden wollen und kurvige enge Straßen, die durch kleine Ortschaften und vorbei an Weinbergen und sämtlichen Wein-Chateaus führen. Es ist ja wohl klar, dass wir an denen nicht nur vorbei gefahren sind. Der korsische Wein wird in wenigen Chateaus nur aus korsischen Trauben hergestellt. Oft findet man eine Mischung mit französischen Trauben. Wer es etwas süßer mag, dem kann ich Wein aus der Muskattraube empfehlen. Sie ist nicht so herb und bringt einen facettenreichen Geschmack mit sich.
Dieser Teil der Insel wird Cap Course genannt. Mit seiner Weglänge von etwa 40 km kann er innerhalb eines Tages erkundet werden. Man kann sich aber auch etwas länger Zeit lassen. So nimmt man alles intensiver wahr. Zum Beispiel die Strände. Man findet auf Korsika wenig riesige Strände. Das Besondere an ihnen ist, dass viele möglichst naturbelassen sind. Klar gibt es auf Korsika Tourismus und er ist auch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Dennoch empfindet man die Strände als Natur, weder extra hergerichtet noch extra zugänglich gemacht.
Ebenso schön sind die Felsen. Von einfachen bis anspruchsvollen Routen ist alles zum Klettern zu finden und damit für jeden etwas dabei. Die meisten Gebirgszüge bestehen auf Korsika aus Kalkstein. Er ist sehr fest und lässt sich gut greifen. Allerdings sollte man dabei beachten, welche Ausrichtung die Wände haben, denn wenn die Sonne auf den Felsen scheint, fangen die Füße schnell an zu glühen.

Off the road
Offroad ©Christian Hein

Die Westküste Korsikas

Nachdem wir den Norden erkundschaftert haben, geht die Reise weiter entlang der Westküste nach Süden. Viele kleine und größere Buchten verführen zum Baden, Paddeln und Verweilen. Der Westwind bringt auch Wellen an die Küsten, in die man sich stürzen kann oder man surft mit dem Kayak darauf.
Die Strände sind malerisch schön. Es ist erholsam den weißen Sand unter den Füßen zu spüren und etwas aufregend von bewachsenen Steinen etwas steiler ins Wasser zu gehen. Wer eine Taucherbrille besitzt, sollte diese mitnehmen. Sieht man unter das Wasser, erwarten euch verschiedenste Wasserpflanzen und Fische. Sie sind wunderschön anzusehen, vor allem wenn die Felsen im Wasser eine Art Riff bilden. Somit erhält man einen Einblick in die faszinierende Unterwasserwelt.
Das Landesinnere steht diesem nicht unbedingt nach. Die engen kurvigen Straßen und kleine Dörfer haben ihren Charme und man fühlt sich nicht von Menschen überrannt. Die gebirgige Landschaft weist eine Menge Erhebungen auf und klar gibt es auch Aussichtspunkte. Sie bieten einen tollen Blick auf Gebirge und Meer. Dafür kann man ruhig eine Pause einlegen. Es gibt für alle Outdoor-Sportler auch viele Wanderwege und Möglichkeiten für einen Trail Running. Der höchste Berg, der erklommen werden kann, ist der Monte Cinto. Jedoch sollte man sich bewusst sein, dass im Sommer die Temperaturen tagsüber meist beständig bei mehr als 30° C liegen.
Viele Landstriche sind weniger besiedelt und man kann Flora und Fauna auf sich wirken lassen. Wer es doch etwas menschenvoller mag, kann Ajaccio, der Hauptstadt Korsikas, einen Besuch abstatten. Sie liegt an der Westküste direkt am Meer.

Der Süden Korsikas

Korsika lebt zu einem Großteil vom Tourismus. Jährlich reisen Millionen Urlauber auf die Insel und so sind in der Hauptsaison schnell die Unterkünfte ausgebucht. Da ist es gut, wenn man flexibel unterwegs ist und alles, was man braucht in und auf dem Auto hat. Edgar macht uns ein angenehmes Reisen möglich und wir können situativ schnell reagieren. Auch der südliche Teil der Insel lädt mit schönen Stränden zum Verweilen ein. Einige davon sind über schmale Wege zu erreichen, die um kleine Bäume und Büsche führen. Sie geben das Gefühl, dass die Natur hier so gut es geht auch natürlich gelassen wird.
Bonifatio ist die südlichste Stadt der Insel. Wer seine Reise größer plant, hat von dort aus die Möglichkeit nach Sardinien mit der Fähre überzusetzen.

our camp close to the Sea
unser Camp direkt am Meer ©Christian Hein

Die Ostküste Korsikas

Ich habe mittlerweile schon oft erwähnt, dass Korsika eine wundervolle Natur und Landschaft zu bieten hat. Diese kann man ebenso bei der Fahrt entlang der Ostküste genießen.
Einige Strände werden nur über Offroad-Wege erreicht. Ein Auto mit Allrad-Antrieb ist hier schon empfehlenswert. Hat man die geländigen Straße geschafft, erhält man als Belohnung an einigen Stellen einen Schlafplatz sehr nah oder direkt am Strand. Auch hier reduzieren kleine und mittlere Buchten vermeintliche Menschenmassen. Vielmehr denken wir sogar, dass Rücksicht aufeinander genommen und eine gewisse Privatsphäre eingeräumt wird. Steht ein Camper oder Fahrzeug schon in einer kleinen Bucht, so fährt man weiter. Dadurch rückt der eine dem anderen nicht auf die Pelle. Jeder kann entspannt sein und muss sich nicht beobachtet fühlen.
Die Winde an der Ostküste sind eher weniger stark als die an der Westküste, denn sie werden schon vom italienischen Festland abgeschirmt. Dennoch haben sie teilweise solche Geschwindigkeiten, dass höhere Wellen entstehen und durch die wirkenden Kräfte einem der Sand unter den Füßen weggezogen wird und man ein wenig im Strand versinkt. Zum sonst durchgängig sonnigen Wetter, erwischt uns hier ein kleiner Schauer und wir beobachten vom Dachzelt aus ein Gewitter in der Ferne. Wir sehen sogar ein Wetterleuchten. Der Regen hält nur kurz an und lässt die Temperaturen nicht wirklich abkühlen. Sehr warme Sachen braucht man im Sommer auf Korsika wohl nur in den seltensten Fällen.
Vergleicht man die Küstengegenden mit dem Norden Korsikas, findet man deutlich weniger Wein-Chateaus (als Domaine oder Clos bezeichnet). Das heißt jedoch nicht, dass der Wein weniger gut ist. Wir finden ein Domaine mit hauseigener Konditorei. So kommen wir in den Genuss von selbstgemachten Macarons und Brombeereis.
Auch wenn die meiste Strecke uns an der Küste entlang führt, machen wir einen Abstecher ins Landesinnere in die Nähe von Corte. Doch wir sehen uns nicht die Stadt an, sondern fahren ins Restonica-Tal. Umgeben von Bergen fließt die Restonica friedlich im Tal. Ihr Wasser ist klar und umringt von Natur, sind die erreichbaren Badestellen bei Besuchern sehr beliebt. Neben dem erfrischenden Wasser stellt das Tal noch mehr bereit: ein Gebirgszug für Anfänger und fortgeschrittene Klettersportler. Der Fels lässt sich gut greifen und hat man eine Route erklommen, wird man mit einem weiten Blick über das Tal belohnt. Allerdings sind viele Kletterwände südlich ausgerichtet und sollten nur mit reichlich Trinken im Rucksack und Sonnenschutz geklettert werden.
Korsika ist gekennzeichnet durch viele schmale und kurvenreiche Straßen und kleinen, manchmal fast unscheinbaren Ortschaften. Es gibt aber auch einige größere Städte, wie zum Beispiel Bastia. Die Hafenstadt liegt im oberen Abschnitt der Ostküste. Von dort nehmen wir die Fähre zurück nach Livorno. Doch bevor wir übersetzen, genießen wir auf einem Aussichtsplatz den nächtlichen Blick auf die Lichter der Stadt und eine Flasche korsisches Pietra.

playing around
mit den Wellen spielen ©Christian Hein

Fazit: Eine Insel mit malerischer Natur, weißen Stränden, klarem Meer und Gebirgsketten. Das ist Korsika. Durch die landschaftliche Vielfalt kann man problemlos verschiedenen Outdoor-Aktivitäten nachgehen und in der Hauptsaison bei warmen Temperaturen draußen oder im Dachzelt schlafen. Wer also zwischen einer Reise ins Gebirge oder ans Meer hin- und hergerissen ist, dem hält “das Gebirge im Meer” beides bereit.

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