Projekt Disco 3

Nach einer Reise nach Norwegen in einem umgebauten Volkswagen T5 (damals noch von PaulCamper) sowie diversen Sichtungen von Offroad-Mobilen mit Dachzelt war schnell klar:

„Sowas brauchen wir auch!“

Im ersten Ansatz wollten wir einen Volkswagen Touareg Gen 1 haben. Leider mussten wir bei der ersten Probefahrt feststellen, dass der Kofferraum des Touareg gar nicht so groß ist wie erwartet. Auf dem Heimweg von dieser Probefahrt parkten wir zufälligerweise in einem Parkhaus direkt neben einem Land Rover Discovery 4. Staunend standen wir davor und stellten fest, dass dieser Kofferraum an Größe schwer zu überbieten ist. Nach ein paar Recherchen war dann schnell klar, dass der Discovery das perfekte Gefährt für unseren Anwendungsfall ist. Wir haben uns dann jedoch bewusst für einen Discovery 3 entschieden. Der Land Rover Discovery 4 ist im Grunde lediglich ein Facelift des Discovery 3. Obwohl natürlich der Discovery 4 ein deutlich adretteres Auftreten hat und auch der Innenraum bei weitem schicker eingerichtet ist, sind große Teile der Karosserie sowie die von uns geforderten Grundfunktionen identisch:

  • drehmomentstarker Dieselmotor
  • Automatikgetriebe
  • Allradantrieb und Offroadtauglichkeit
  • Luftfahrwerk mit Terrain Response System
  • gute Bodenfreiheit
  • großer Kofferraumn (bei umgeklappten Sitzen 2558 l)
  • sieben Sitzplätze
  • Anhängelast bis 3500 kg
  • schnell umklappbare Rücksitze (ebener Kofferraumboden)
  • Zubehöranbieter für Umbau
the bright side
die helle Seite am Disco ©Christian Hein

Ausbau

Nach langem Suchen haben wir dann im November 2018 einen passenden Kandidaten gefunden. Nun begann der Umbau und die Suche nach dem passenden Zubehör. Schnell stießen wir auf der Suche nach einem passenden Dachträger auf die Marke Front Runner. Dieser Zubehörhersteller aus Südafrika bietet einen bunten Blumenstrauß an Zubehör für Land Rover und viele andere Offroad- und Reisetaugliche Fahrzeuge. Auch die passende Heckleiter für den Disco haben wir hier gefunden.

Parallel kämpften wir uns durch die Vielzahl der Dachzelthersteller. Schlussendlich blieben wir beim Darche High View 140 hängen. Folgende Punkte haben uns an diesem Zelt überzeugt. Wir wollten die Option eines Vorzeltes, da wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Markise hatten und durch unsern Trip nach Norwegen wussten, dass es das Wetter auch gern mal ein paar Tage am Stück nicht so gut meint. Das Darche verfügt über ein Dachfenster welches das Sternegucken im Bett ermöglicht – das fanden wir echt cool. Und zu guter Letzt hat das Darche eine Teleskopleiter welche man recht Problemlos (wenn man im Vorzelt am Tisch sitzt) komfortabel nach oben klappen kann). Außerdem sieht die Leiter in schwarz mit orange eloxierten Stufen echt schick aus.

Nach langem Hin und Her, schon diversen CAD-Konstruktionen eines möglichen Kofferraumausbaus und Kostenkalkulationen haben wir uns gegen einen Eigenbau entschieden. Ich hatte bei den Recherchen die angebotene Option von Front Runner im Sinn und es war schnell klar, dass wir preislich in gleichen Bereichen rauskommen, wenn wir es ähnlich schick bauen wollen. Also auch diesen Artikel bestellt und eingebaut. Absolut keine falsche Entscheidung. Das Schubladensystem passt perfekt in den Kofferraum, schließt wunderbar an den Seiten ab, bietet viel Platz und zusätzlich die Möglichkeit Kisten und Equipment an verschiebbaren Zurrösen zu befestigen.

  • Front Runner Drawer Kit
  • Front Runner Drawer Kit
  • full set up
  • Sleeping area

Elektroinstallation

T-MAX Duals Battery system
T-MAX Duals Battery system ©Christian Hein

Der Land Rover Discovery 3 besitzt im Motorraum rechts und links jeweils ein Batteriefach, da das Fahrzeug als Rechts- und Linkslenker konzipiert wurde. Beim Linkslenker ist die Fahrzeugbatterie auf der rechten Seite positioniert. Auf der Fahrerseite hingegen sitzen lediglich Bremskraftverstärker und ABS-Block. Es ist im linken Batteriefach jedoch noch Platz für eine 60 Ah-Batterie. Wir entschieden uns für das Doppelbatteriesystem von TMAX. Es bietet ein Hochlast-Relais (250 A Dauerstrom), welches die Zweitbatterie bei Motor „an“ mit der Fahrzeugbatterie verbindet. Bei Motor „aus“ sind die beiden Batterien hingegen getrennt. Über ein Display können die Spannungen der einzelnen Batterien geprüft werden. Auch ein manuelles Verbinden der Batterien ist möglich. Dies erlaubt beispielsweise eigene Starthilfe wenn die Fahrzeugbatterie leer ist. Zusätzlich installierten wir drei 12 V-Dosen sowie sechs USB-Anschlüsse im Kofferraum welche ausschließlich über die Zweitbatterie versorgt werden. Ein versehentliches Entladen der Fahrzeugbatterie z.B. durch die Kühlbox ist so ausgeschlossen.

Wasserinstallation

Water for all purposes
Wasser für alles ©Christian Hein

Bei Ebay ergatterten wir einen 42 Liter Wassertank von Front Runner passend für den Dachträger. Der Tank wurde an der Front mittig auf dem Dachträger montiert. Ein Schlauch entlang des Dachträgers wurde nach hinten verlegt. Mit einem Gardena-Wasserstop-Anschluss wollten wir einen Schlauch anschließen können, der einen Wasserhahn in Stoßfängerhöhe ermöglicht und während der Fahrt demontiert werden kann. Leider stellten wir schnell fest, dass ein Gardena-Wasserstop nur mit Leitungsdruck funktioniert. Unsere Wassersäule von max. 40 Zentimetern und einem resultierendem Druck von vielleicht 0,04 bar wird an der Stelle wahrscheinlich nicht als „Leitungsdruck gewertet. Daher war der Wasserstop nicht dicht. Wir bauten uns aus einem mit Karosseriedichtmasse verschlossenen Gardena-Verbinder schnell einen Stopfen, den wir an einer Schlaufe aus Paracord am Dachträger befestigten und das Problem war gelöst. Der Gardena-Anschluss bietet zusätzlich die Möglichkeit den Wassertank komfortabel mit einem Gartenschlauch zu befüllen.

Extra Stauraum

Beim Kauf des Wassertank erhielten wir zusätzlich eine Wolf Pack Transportkiste von Front Runner dazu. Wir hatten bereits nach diversen Boxen recherchiert und stellten schnell fest, dass (im Vergleich zu Anbietern von qualitativ sicherlich deutlich hochwertigeren Aluboxen) das Preis-Leistungsverhältnis der Wolf-Pack Transportboxen schwer zu schlagen ist. Trotz fehlender Dichtungen am Deckel hatten wir noch nie Feuchtigkeit in den Boxen (Starkregen und Hochdruckreiniger eingeschlossen). Lediglich am Boden der Boxen befinden sich 4 kleine Löcher die uns an der Dichtigkeit der Box zweifeln ließen. Diese haben wir beidseitig mit Tape verschlossen. Insgesamt verwenden wir fünf solche Boxen. Zwei auf dem Dachträger und drei auf dem Schubladensystem. Zuerst verwendeten wir handelsübliche Zurrgurte mit Klemmschloss für die Befestigung der Boxen auf dem Dach. Dies war mir jedoch die ganze Zeit ein Dorn im Auge, da die übrige Gurtlänge immer im Weg war und auch bei gekürztem Gurt das lose Ende wild im Fahrtwind flatterte. Schlussendlich entschieden wir uns die unfassbar teuren Stratchit Kombigurte von Front Runner zu kaufen. Diese bieten eine Klettlasche zum befestigen der überschüssigen Gurtlänge und ein Gummiseil. Nach der ersten befestigten Kiste war klar, die Gurte sind ihr Geld tatsächlich wert. Derart komfortabel ließen sich die Kisten noch nie befestigen und lösen.

Kühltruhe

Bei der Auswahl der Kühltruhe entschieden wir uns für die Dometic CoolFreeze CDF-18. Das gleiche Modell war in dem VolkswagenT5 verbaut, welchen wir in Norwegen verwendeten. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Box, der kompakten Bauform sowie dem recht guten Preis (für eine Kompressor-Kühl- und -gefrierbox) kauften wir diese. Nach den ersten Touren muss jedoch erwähnt werden, dass 18 Liter Volumen für kühle Getränke und gekühlte Nahrungsmittel schnell zu klein werden.

Kocher

Auf der Suche nach einem Benzin-Kocher mit zwei Flammen stellten wir fest, dass es dies gar nicht so oft gibt. Gas und zwei Flammen kein Problem. Benzin und eine Flamme auch kein Problem. Aber Benzin und zwei Flammen ist echt selten.Wir stießen schlussendlich auf den Coleman Unleaded 2-Flammkocher 424. Er ist unfassbar unhandlich und groß (amerikanisch eben), aber Platz haben wir ja. Bisher macht er einen echt guten und robusten Eindruck. Lediglich die Leistung der zwei Flammen könnte höher sein.

Markise

Vor unserem Trip nach Korsika installierten wir noch schnell eine Markise da wir zumindest einen Schattenspender haben wollten (falls wir tatsächlich eine Möglichkeit finden mit dem Auto am Strand zu stehen). Da wir bereits den Dachträger von Front Runner hatten war schnell klar, dass es die Easy-Out Markise von Front Runner sein sollte, da hier eine Plug&Play-Montage möglich ist – aber Pustekuchen. Wir hatten die Rechnung ohne das Dachzelt gemacht – denn das kommt nicht von Front Runner sondern von Darche. Leider sitzen die Querstreben des Dachzeltes zu tief, sodass eine Befestigung der Markise an den dafür vorgesehenen Haltern gar nicht möglich war. Schlussendlich mussten wir uns ein paar Spacer herstellen, um die Markise kurz vor Abreise noch schnell etwa 60 mm nach unten versetzt an den Dachträger zu nageln. Die Markise bietet mit 2,5 m x 2,1 m ausreichend Fläche und hat an heißen Sommertagen sowie als Regenschutz schon hervorragende Arbeit geleistet. Die Aufbauzeit beträgt mit zwei Personen weniger als eine Minute. Alleine ist der Aufbau nicht möglich. 

Reifen

Nach unserem Korsika-Trip waren die Reifen dran. Auf diversen steinigen Offroad-Passagen hatten wir große Angst die Allwetter-Reifen zu beschädigen. Wir entschieden uns für den General Grabber AT3 265/60 R18 110H. Dieser bietet einen guten Kompromiss aus Geländetauglichkeit, Stabilität und Alltagstauglichkeit (der Discovery wird als Daily-Driver verwendet). Hinsichtlich der Abrollgeräusche ist der Reifen (zumindest bei dem wirklich gut gedämmten Discovery) nicht wahrnehmbar. Hier hätten wir eine deutlich größere Geräuschentwicklung erwartet. Dachträger samt Wassertank und Kisten sind an der Stelle deutlich intensiver zu hören.

All-terrain tires
All-terrain tires ©Christian Hein

Licht

Im letzten Schritt haben wir in der Winterpause noch Original-Land Rover Zusatzscheinwerfer am Frontstoßfänger montiert. Bezüglich der Lichtausbeute sind diese Hallogen-Scheinwerfer sicherlich nicht mit modernen LED-Bars zu vergleichen. Wir wollten aber im ersten Schritt die originalen Scheinwerfer von Land Rover installieren – weil wir sie einfach schick finden. Das Montage der zusätzlichen Kabel für die Elektrik lief sehr gut, da alle Stecker und freien Pins bereits serienmäßig vorhanden sind. Lediglich die Information, dass die Verwendung der Zusatzscheinwerfer im Steuergerät freigeschaltet werden muss (was ich ein paar Monate später erfuhr) war nirgendwo in der Anleitung beschrieben. Dies sorgte für eine aufwendige Fehlersuche mit schlussendlich manueller Verlegung einer Leitung durch die Spritzwand im Beifahrerfußraum. 

Geplant sind auf dem Dachträger noch die Montage von LED-Bar und Manövrierscheinwerfern nach hinten und zu den Seiten da z.B. Rückwärtsfahren Nachts im Gelände oder im Wald echt ungemütlich sind.

Fazit

Der Land Rover ist aktuell zu einem absolut alltagstauglichen Reisemobil geworden. Wir verfügen weiterhin über fünf Sitzplätze und haben (zumindest in den Sommermonaten) immer das gesamte Equipment dabei, so dass wir stets einfach losfahren können. Das Reisen mit dem Disco ist sehr komfortabel und die Offroad-Tauglichkeit ist für fast alle Bedingungen vollkommen ausreichend.

  • front
  • side

Technische Daten

AutoKÜCHENEINBAUDachzeltAufbauten
Land Rover Discovery III 2,7 Liter TDV6DOMETIC COOLFREEZE CDF 18
18 l Kühl / Gefrierfach 
Darche Hi View 140
Dachträger:
Front Runner Slimline II 
(Discovery 3/4 spezifisch)
Leistung 140KW / 190PSFront Runner Wassertank 42 Liter inkl. Befestigung auf DachträgerAbmessung geschlossen: 120 cm x 140 cm x 28 cm
(L x B x H) 
Markise:
Front Runner EASY-OUT
Antrieb: permanenter AllradTMAX-Doppelbatteriesystem
zweit Batterie: 60Ah AGM
Liegefläche 140 cm x 240 cmFront Runner Heckleiter 
(Discovery 3/4 spezifisch)
Luftfahrwerk und Terrain Response System
Coleman Unleaded 2-Flammkocher 424
(Benzinkocher)
Gewicht: 58kgFront Runner Schubladensystem 
(Discovery 3/4 spezifisch)
Anhängerkupplung mit 3.500kg Anhängelast3x 12V und 6x USB im Kofferraum (Stromkreis Zweitbatterie)inkl. Vorzelt (250 cm lang) mit herausnehmbaren Boden und drei EingängenMaße linker Auszug:
914 mm x 461 mm x 208 mm
(L x B x H) 


Maße rechter Auszug:
914 mm x 373 mm x 208 mm
(L x B x H) 
7 Sitze, 280 bis 2558 Liter KofferraumvolumenTeleskopleiter 5x Front Runner Wolf Pack
Reifen: General Grabber AT3 265/60 R18 110H

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