Franziska Hösel und ihr 100 km Lauf

Tourenname: 100-km-Lauf von Biel
Schwierigkeit: schwer
Tourenlänge: 103km
Höhenmeter: 544m Anstieg und 544m Abstieg
Ausrichtung: Süd-Ost
Höchster Punkt: 568m
GPS: Route und Track als GPX

Nun ist es also wirklich passiert… 3 Jahre habe ich meiner Umwelt in den Ohren gelegen. „Ich will unbedingt diesen einen weltweit größten Ultramarathon über 100 km in Biel laufen. Die Reaktionen waren vielfältig, meist eher ein

„Jaja…mach mal…“

Nach meiner Tumor-OP habe ich Ziele gesucht. Eins davon war dieses. Eine lange Zeit dachte ich, es wäre unerreichbar. Prüfungen, neue Tumore…irgendwie kam immer etwas dazwischen. Diesmal aber nicht!

Ich bin seit November 2017 insgesamt 1700 km gelaufen. Bei den langen Läufen am Wochenende über 25 km hatte ich Radbegleiter, die mich mit Bananen, Getränken und Unterhaltung versorgten. Nach der intensiven Vorbereitungsphase fuhr ich schließlich am 08. Juni 2018 zusammen mit meinem Radbegleiter Tom in die Schweiz. Vorsichtshalber hatte ich mir ein kleines Notfallpäckchen zusammengeschnürt mit diversen Pflastern, Tape, Isogel und Allgäuer Latschenkiefer extra stark, just in case.

Den nächsten Tag verbrachten wir am See und nutzten die letzten Stunden bis zum Start, um Kraft zu tanken und entspannt die Sonne zu genießen. Später um 21 Uhr sammelte sich Tom mit den anderen Radbegleitern auf der Strecke bei km 21.

22 Uhr fiel der Startschuss – es ging los! Zusammen mit 1999 anderen 100 km-Läufern, den Läufern von Staffeln, Militär, den 56 km-Läufern und Paarläufern setzte ich mich in Bewegung. Die Stadt war von Euphorie erfüllt. Die ersten Kilometer glichen fast einer Party. Mein iPod spielte Songs der Foo Fighters. Nach 6 km ging es erstmalig leicht bergauf. Ich erinnerte mich an den Expertenratschlag, auf solchen Distanzen mit steigender Höhenmeterzahl nur zu gehen – nicht zu rennen, um Energie zu sparen. Soweit so gut. Der Ausblick auf die Stadt Biel bei Nacht war traumhaft. Leider begann es dann zu regnen. Aber gut, was will man machen außer weiter. Stunde um Stunde verging, die Uhr schlug 1 Uhr. Ich durchquerte das Ziel des Halbmarathons und erblickte Tom recht wach an der Strecke. Endlich war ich nicht mehr alleine. Tom konnte mich unterhalten und von der wachsenden Müdigkeit ablenken. Berg um Berg, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde. Zwischendrin telefonierte ich mit meinem Liebsten, der sich die ganze Nacht wach hielt. Das gab mir neue Kraft.

Es wurde und wurde nicht hell… Gegen 4 Uhr ereilte mich plötzlich ein Hoch. Es ging bergauf und mir machte es nichts mehr aus. Die energetisch positive Situation nutzte ich, um aufzuholen und Mitläufer hinter mir zu lassen. Da dieser Zustand wohl nicht bis zum Zieleinlauf anhalten würde, versuchte ich so viel Meter wie möglich zu laufen. Kurze Zeit später bestätigte sich meine Vermutung… Das Tief holte mich ein. Die Müdigkeit überkam mich, so dass der Boden unter mir verschwamm. Es war inzwischen hell und sehr schwül geworden. Entlang eines Flusses ging es über einen engen, steinigen und glitschigen Pfad. Ich schlief im Laufen ein. Mein ganzer Körper sackte kurz zusammen und ich hatte alle Mühe nicht ganz erbärmlich der Länge nach hinzufallen. Auf dem etwa 15 km langen Damm waren keine Radbegleiter erlaubt. Also war wenig Ablenkung möglich. Ich fühlte mich absolut schrecklich und mein linker Fuß machte sich durch Schmerzen bemerkbar. Nie hatte ich es für möglich gehalten, dass man sich während einer Bewegung an frischer Luft so elendig fühlen konnte, geschweige denn einschlafen. Als ich Tom traf, sah ich deutlich fertig aus und fühlte mich auch so. An der Strecke befanden sich viele Menschen, die uns Läufern motiviert zujubelten. Als ich am Verpflegungspunkt ankam, warf ich mir schnell eine Ibuprofen ein, um die Schmerzen in meinen linken Fuß zu lindern und ihn wieder funktionsfähiger zu machen. Nachdem ich auch Wasser, Tee, Cola, Banane und Salzgebäck zu mir nehmen konnte, stieg meine Stimmung wieder.

Bis km 91 hielt meine gute Laune an. Denn nun zeigte sich die Sonne von ihrer intensiven Seite. Trotz einem Handtuch über dem Kopf bekam ich einen unglaublichen Sonnenbrand. Bei km 93 hörte das Ibuprofen auf zu wirken und ich begann die Schmerzen in meinem Fuß wieder zu spüren. Das Ziel war noch nicht erreicht und es schien, als wöllte mich mein körperlicher Zustand davon fernhalten. Doch ich lief weiter, wenn auch unter Tränen. Die Motivationsbuttons von meinem Mann, das Schultertätscheln von Tom, sowie die Ibuprofen vom Verpflegungspersonal ließen mich letztendlich doch im Ziel ankommen.

Ich bin mit Rang 6 von 36 in meiner Altersklasse und mit der Gesamtplatzierung 123 von 1200 SEHR STOLZ auf mich. Ich kann es immer noch nicht fassen.

Ich hatte mich nach vielen tollen Gesprächen im Ziel auf etwas zu Essen und eine riesige Mütze Schlaf gefreut, aber weder das eine noch das andere funktionierte wie gewohnt. Beim Essen wurde mir schlecht und beim Zubettgehen ereilten mich abwechselnd Schüttelfrost, Hitzewallungen und Schmerzen. Mein Körper musste die Strapazen dieser immensen Strecke erst verarbeiten. Nach zwei Tagen Erholung ging es mir wieder besser.

Was habe ich bei dem Ganzen gelernt? Grenzen steckt man sich selbst. Ich habe den Ultramarathon bewältigt, obwohl ich es selbst zwischenzeitlich nicht für möglich hielt und anfangs keiner daran glaubte. Für sich selbst zu kämpfen lohnt sich – immer!

Tipp: Wenn du weitere Informationen zu dem Event suchst schau einfach hier!

Höhenprofil des Laufes

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  1. Wow, was für eine Leistung und welch toller Erfolg!
    Gratuliere dazu und weiterhin viel Erfolg bei allen Dingen, die du dir vornimmst!

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