Trekkingkocher

 

Spieglein Spieglein an der Wand, wer ist der beste Campingkocher im ganzen Land?

Wer stand nicht schon im Laden und fühlte sich von der schier unendlichen Auswahl an Kochern überwältigt?! Ratlos steht man da und weiß bei all den verschiedenen Modellen und Brennstoffen gar nicht, wo man zuerst hingucken soll…

Mit diesem Artikel wollen wir Licht ins Dunkle zu bringen und dir helfen, den passenden Kocher für deine Abenteuer zu finden.

Je nach Art des verwendeten Brennstoffes wird in die folgenden Kocher unterschieden:

  • Flüssigbrennstoffe
    • Benzin
      • Autobenzin
      • Reinbenzin
    • Diesel
    • Kerosin
    • Flüssiggas
    • Petroleum
    • Spiritus
  • Festbrennstoffe
    • Brennpaste
    • Spiritustabletten (Esbit)
    • Holz
  • Sonstige
    • Sonnenlicht
    • Chemie

Um den passenden Kocher zu finden, empfehlen wir, vom Brennstoff und seinen jeweiligen Eigenschaften auszugehen.

Als erstes solltest du überlegen, was genau du vorhast:

Möchtest du eine Tour machen, bei der du im Vorhinein weißt, wie lange sie dauern wird? Dann kannst du in etwa einschätzen wie oft pro Tag du kochen wirst und wie viel Wasser bzw. Flüssigkeit du dafür erhitzen musst. Folglich macht es in diesem Fall am meisten Sinn, sich am Verbrauch des Brennstoffes zu orientieren. Wenn du weißt, wie viel Brennstoff du verbrauchst, kannst du relativ genau einschätzen wie viel du davon mitnehmen musst.

Wenn du hingegen vorhast unbestimmte Zeit – oder auch sehr lange – unterwegs zu sein, dann solltest du die Brennstoffe insbesondere im Preis vergleichen. Die Kosten für die verschiedenen Brennstoffe variieren zum Teil enorm.

Das Packmaß und das Gewicht spielen natürlich immer eine Rolle und sollten dementsprechend mit berücksichtigt werden.

Außerdem solltest du je nach Reiseziel auch an die Verfügbarkeit des Brennstoffes denken.
Hierzu kommen natürlich noch andere Faktoren wie z.B:

Aber dazu später mehr…

Verbrauch:

Kocher und deren Brennstoffe miteinander zu vergleichen ist keine leichte Angelegenheit.
Gerne wird hier der Brennwert (gespeicherte Energie pro kg) genutzt.

Als Ausgangspunkt ist dieser Wert allerdings nicht besonders hilfreich, denn viele Kocher unterscheiden sich beim gleichen Brennstoff in Leistung und anderen Eigenschaften. Kochgewohnheiten und Umwelteinflüsse wirken sich ebenfalls auf die Leistung des Kochers und somit auch auf den Verbrauch aus.

Ein gutes Beispiel ist hier Spiritus (29,7 MJ/kg) vs. Esbit (31,3 MJ/kg).

Die höhere Energiedichte lässt vermuten, dass Esbit der bessere Brennstoff ist.
In der Praxis zeigt sich aber ein anderes Ergebnis: 
Trotz höherem Brennwert und niedrigerem Verbrauch pro Minute 
benötig man mehr Esbit als Spiritus um 
einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen.

Um also zum Verbrauch eine Aussage machen zu können, kommt man an einer Feldstudie nicht vorbei!

Die kleine Untersuchung, die ich durchgeführt habe, ist natürlich keinesfalls vollständig. Um tatsächlich valide Aussagen treffen zu können, müsste eine wesentlich größere Anzahl an Kochern getestet werden. Um eine grobe Tendenz feststellen zu können, eignet sich die Studie aber allemal.

Hier eine Liste verschiedener Kocher in unterschiedlichen Kochszenarien, alle mit der Aufgabe 1l Wasser zum Kochen zu bringen.

StoveTest

Hierbei interessiert mich vor allem der Durchschnittswert des verbrauchten Brennstoffes.
Nun kann man eine erste Tendenz erkennen, in der sich das Flüssiggas im Verbrauch recht stark von den anderen getesteten Brennstoffen unterscheidet.

Der Durchschnittsverbrauch ist beim Flüssiggas am geringsten.

average_consumption
Durchschnittsverbrauch pro 1l kochendem Wasser

Preis:

Beim Preis geht es letztlich um die Kosten pro gekochtem Essen.
Um hier eine Grundlage zu haben, nutze ich den Preis pro Brennminute.

Klar könnte man hier auch den Preis pro Liter heranziehen (wenn man die Festbrennstoffe außen vor lässt), was die Sache sehr viel einfacher machen würde. Allerdings würde man dann die Effizienz des Kochers und den allgemeinen Verbrauch des Brennstoffes nicht berücksichtigen.

Darüberhinaus spielt der gesamte Kochvorgang eine Rolle und nicht nur die Zeit bis das Wasser kocht. Hintergrund ist, dass bei Benzin, Diesel, Petroleum, Kerosin und Spirituskochern der Brennraum erst erhitzt werden muss, damit der Brennstoff vergast werden kann. Dieser Vorgang kostet natürlich Zeit und Brennstoff, der nicht oder nur ineffizient zum Kochen verwendet werden kann.

Dazu kommt, dass die Kocher für die genannten Brennstoffe erst nach geraumer Zeit ihre volle Leistung entfalten.
Bei Benzinkochern um die 1:30min
Bei Spirituskochern um die 3min

Zu guter Letzt kommt noch die Zeit hinzu, um die Brennstoffleitung leer zu brennen.

Sicher kann man in dieser Zeit ohne Einschränkung auch zum Kochen verwenden, um keinen Brennstoff zu verschwenden, allerdings bedarf es dazu schon etwas Erfahrung.

Im Großen und Ganzen liegen hier aber die Vorteile des Flüssiggases, da es sofort einsatzbereit ist und jede Brennsekunde zum Kochen verwendet werden kann.

Als weitere Faktoren, welche auf den Verbrauch und somit auf die Kosten Einfluss nehmen, gelten: die Konstruktion des Kochers, der Topf und eventuell zusätzliches Equipment.

Dabei kann es sich um die folgenden Variablen handeln

  • Größe der Flamme im Verhältnis zum Topf
  • Wärmeleiter
  • Material des Topfes
  • Windschutz
  • Isolation
  • Wärmereflektoren

In meiner Feldstudie stellte sich heraus, dass sich die Kocher mit ihren Brennstoffen im momentanen Verbrauch verhältnismäßig wenig unterscheiden. Je nach Situation schwankt der Verbrauch pro Brennminute zwar stark zwischen 0,93g (moderat aufgedreht) und 4,8g (ohne Windschutz), allerdings würde ich sagen, dass hier die Ermittlung des Durchschnitts aller Testsituationen weiter hilft.

average_consumption:min
Durchschnittsverbrauch pro min

Durchschnittsverbrauch pro Minute: 2,7g

Auch wenn diese Zahl nicht exakt ist, kann sie als grober Richtwert nützlich sein.

Bei einer 10min bis 15min Kocheinheit ergibt sich folgendes Ranking

  1. Holz (kostenlos)
  2. 1l Diesel (1,25€ – 1,35€) mit etwa 20 bis 30 Kocheinheiten (1l entsprechen 830g)
  3. 1l Benzin (1,40€ – 1,60€) mit etwa 18 bis 27 Kocheinheiten (1l entsprechen 750g)
  4. 200g Brennpaste (0,75€) mit etwa 5 bis 8 Kocheinheiten
  5. 1l Spiritus (4€) mit etwa 19 bis 29 Kocheinheiten (1l entsprechen 790g)
  6. 1l Petroleum (5€) mit etwa 19 bis 29 Kocheinheiten (1l entsprechen 800g)
  7. 1l Reinbenzin (6€) mit etwa 18 bis 27 Kocheinheiten
  8. 450g Gaskartusche (9€) mit etwa 11 bis 16 Kocheinheiten
  9. 125g Gaskartusche (5€) mit etwa 3 bis 5 Kocheinheiten
  10. Esbit- Packung 12 * 14g (7€) mit theoretisch 4 bis 6 Kocheinheiten (etwas außer der Wertung da die Brennzeit pro Tablette bei 12min endet)

Das Beispiel zeigt, abgesehen von den kostenlosen Brennstoffen, die große Stärke von Benzin und Diesel.

Verfügbarkeit:

Wenn es um die Neubeschaffung des Brennstoffes geht, muss man nicht immer an ferne fremde Länder denken.
Denn einige Brennstoffe sucht man selbst in der eigenen Stadt vergebens.

  • Brennstoffe, die auch im Auto funktionieren, findet man an jeder Tankstelle
  • Brennpaste, Spiritus, Reinbenzin sollte man in einigen Lebensmitteldiscountern, Outdoor Sportgeschäften und Baumärkten suchen.
  • Petroleum findet man wohl am wahrscheinlichsten in Baumärkten.
  • Esbit-Tabletten finden sich häufig in Outdoor Sportgeschäften und Baumärkten.
  • Beim Flüssiggas muss man schon genauer schauen, denn nicht jede Kartusche eignet sich für jeden Kocher. Und nicht jede Kartusche ist überall erhältlich. Grundlegend kann man die Kartuschen in 3 Typen einteilen, die in der Regel in Outdoor Sportgeschäften und Baumärkten zu finden sind
    • Stechkartuschen
    • Schraubkartuschen
    • Bajonett kartuschen
  • Beim Holz ist die Sache klar! Denkt man! Denn hier sollte man beachten, dass es Vegetationsgrenzen, Witterung und auch Jahreszeiten gibt, die die Brennstoffsuche erschweren können.

Sicherheit:

Welche Rolle die Sicherheit nun spielt, merkt man erst, wenn es einen betrifft.
Allerdings muss man nicht erst den Kocher umtreten, um zu sehen ob der Brennstoff Probleme macht oder nicht.

Hinzu kommen Aspekte wie:

  • Explosionsgefahr
  • Flammpunkt und Zündtemperatur
  • gesundheitliche Verträglichkeit
  • oder andere Dingen, die dazu führen, dass sie einen im Flugzeug abgenommen werden.

Ungeschlagen sind hier natürlich die Feststoffbrennstoffe wie Holz, Esbit, und Brennpaste. Die du zwar nicht unbedingt essen oder einatmen solltest, die aber zumindest sehr kontrolliert abbrennen, falls sie sich entzünden.

Zuverlässigkeit:

Zuverlässige Brennstoffe sind Brennstoffe, die sich immer und überall entzünden lassen und sich im besten Fall kaum auf die Performance auswirken.

Niedrige Temperaturen, Wind und Feuchtigkeit sind Umweltfaktoren, die dem Brennstoff das Leben schwer machen.

Allerdings darf man auch die Komplexität des Kochers nicht vernachlässigen. Ganz nach dem Motto „Je mehr am Kocher dran ist, desto mehr kann auch kaputt gehen“.

Hierzu kann man aber sagen, dass die Hersteller sich schon sehr viel Mühe geben bei allen Kochern die Zuverlässigkeit zu erhöhen.
Weswegen größtenteils nur hochwertige Materialien verwendet werden.

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, kann man hier den Benzinkochern als großen Gewinner hervorheben, da er kaum Performanceeinbußen zu verzeichnen hat – selbst bei niedrigen Temperaturen.

Flüssiggas wird dagegen nicht mehr gasförmig und Spiritus lässt sich nur noch schwer entzünden.

Festbrennstoffe wie Holz, Esbit und Brennpaste haben zwar auch keine Probleme mit Kälte, allerdings nimmt ihre Performance bei Feuchtigkeit stark ab. Ein Problem, welches bei Kartuschen bzw. Flaschen keine Rolle spielt.

Wind wirkt auf alle Brennstoffe und Kocher negativ. Zwar kommen einige Hersteller seit geraumer Zeit mit intelligenten Lösungen (z.B. MSR).
Ein einfacher und günstiger Windschutz reicht aber in der Regel aus, um die Flamme abzuschirmen.

Brenneigenschaften

Die Eigenheiten einer Verbrennung hängen mit der Konstruktion des Kochers, als auch mit dem Brennstoff an sich zusammen.

Ein großes Thema ist hierbei die Rußbildung. Einen rußenden Brennstoff erkennst du, abgesehen von den schwarzen Rückständen am äußeren Topfboden, an einer gelblich-roten Flamme. Die Verfärbung entsteht, wenn Kohlenstoff glüht, aber nicht komplett verbrennt. Das hat die Bildung von Ruß zur Folge.

buring_stove
selbsgebauter Spirituskocher ©Jarno Hein

Was kann man machen, um die Rußbildung zu minimieren?

  • Flammentemperatur erhöhen (viele Kocher erlauben es das Sauerstoff-Brennstoffgemisch einzustellen, somit kann der Kocher gesteuert werden)
  • Den Brennstoff verdünnen (eine Methode, um recht stark rußenden Spiritus etwas Einhalt zu gebieten) Vorsicht das geht auf Kosten des Brennwertes!
  • Die Sauerstoffzufuhr optimieren (wenn zu wenig Sauerstoff an die Flamme kommt, dann schwelt das Feuer und kann nicht sauber verbrennen. Wenn die Flamme flackert ist der Luftstrom nicht optimal, was wieder zu einer unsauberen Verbrennung führt)

Besonders wenig rußt übrigens Flüssiggas: Kein anderer Brennstoff verbrennt so sauber.

3 Comments Add yours

  1. Winterfjell says:

    Tolle fast schon wissenschaftliche Herangehensweise. War auch für mich aufschlussreich. Zum Beispiel war mir nicht klar, dass der Polaris so viel schwerer als der Nova ist. Die kleinen Abweichungen im Verbrauch halte ich hingegen nicht für relevant.
    Euer Fazit bei “Wind und Wetter” klingt sehr pro Benziner. Oder ist das nur auf den Winter bezogen? Da würde ich euch zustimmen. Für die anderen 3 Jahreszeiten finde ich Gas und Spiritus unkomplizierter, Gewicht hin oder her.

    Viele Grüße
    Malte vom Winterfjell

    1. Christian says:

      Hey Malte ich hab versucht alle Brennstoff neutral zu bewerten. Ich hoffe das ist mir halbwegs gelungen. Ich nutze zwar meistens meinen Benziner muss dir aber recht geben bei den meisten Touren wäre ein Gas oder Spirituskocher besser geeignet. Aber am ende kommt es aber auf jeden persönlich an. Und ich möchte glaub ich auch nicht so viele Kocher und Brennstoffe zu Hause lagern um immer das ideale nutzen zu können. Mein omnifuel is da ein guter Kompromiss. Liebe Grüße Christian :)

      1. Winterfjell says:

        Umso besser, dass du dir die Mühe gemacht hast, so viele Modelle zu testen. Danke!

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