Mit dem Kajak ans Schwarze Meer

Tourenname: die Donau (Metten – Sfântu Gheorghe)
Schwierigkeit: mittel
Tourenlänge: 2333km
Ausrichtung: Süd-Ost
GPS: Route und Track als GPX

Die Donau ist mit einer Gesamtlänge von 2857 Kilometern der zweitlängste Fluss Europas. Sie entspringt im Süden Deutschlands und fließt dann Richtung Osten über Wien, Budapest und Belgrad bis ins Schwarze Meer. Insgesamt durchfließt die Donau die zehn Länder Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und Ukraine, so viele, wie kein anderer Fluss auf der Erde! Für mich ein Reisetraum! 2005 war es soweit. Ich hatte gerade meinen Grundwehrdienst beendet und hatte wahnsinnig Lust darauf, raus zu kommen und die Welt zu sehen. Ich kaufte mir ein Kajak, Zelt und Campingausrüstung. Noch heute sehe ich meine Eltern,  bei der Geschwindigkeit, mit der ich mein Bundeswehrgehalt in Equipment umsetzte, die Hände überm Kopf zusammenschlagen.

 „Du bist doch bescheuert!“

Mein Kumpel Danilo sah das zum Glück anders. Er war Feuer und Flamme und entschloss sich zum Mitkommen. Gemeinsam machten wir uns nun an die Planung. Wo sind Staudämme? Wie ist das mit dem Umtragen? Wie muss das Kajak gekennzeichnet sein? Wie ist das bei Grenzübergängen? Fragen über Fragen, auf die wir schließlich doch leicht Antworten fanden. Danilo war bei seinen Recherchen auf den „DKV-AUSLANDSFÜHRER, DONAU UND NEBENFLÜSSE“ gestoßen. Ein Buch, das ich wärmstens empfehlen kann, gibt Auskunft über alles, was man über Wasserwandern wissen muss. Außerdem gibt es detaillierte Infos zum Streckenverlauf, Strömungen, Umtrage- und Anlegestellen sowie Restaurants und Unterkünften.
Die einzige Sorge, die uns schlussendlich noch blieb, war die Rückreise. Mein Kajak, das ich, wie den Großteil des damals gekauften Equipments, immer noch nutze, hat eine stolze Länge von 5,20 Metern. Ein Größenformat, das keine Airline transportiert. Diese Möglichkeit fiel also weg. Nächste Idee das Auto. Das Kajak auf dem Auto festschnallen ist ansich kein Problem. Jedoch zeigten weder Danilo‘s, noch meine Eltern großes Interesse, uns vom Schwarzen Meer abzuholen.

„Ihr seid doch bescheuert!“

Das Rückreiseproblem löste sich erst, als wir von der sogenannten „Tour International Danubien“ (kurz: TID) erfuhren. Die TID veranstaltet jährlich eine Fahrt auf der Donau von Ingolstadt bis nach Sfantu Gheorghe am Schwarzen Meer. Eingeladen sind alle interessierten Paddler. Das Ziel der Tour ist es, mit Menschen anderer Nationen und deren Kulturen in Berührung zu kommen, sich kennenzulernen und den Austausch, sowie das friedliche Miteinander in Europa zu fördern. Wir waren begeistert, zumal die Rückreise der Teilnehmer samt Gepäck und Booten, von der TID organisiert wird! Wir konnten unser Glück kaum fassen! Einziger Haken, die TID war bereits vor zwei Wochen gestartet!

Am 17.07.2005 begann unsere Reise auf der Donau. Wir hatten es eilig. Die Teilnehmer der TID hatten es bereits bis nach Ungarn geschafft. Es würde nicht leicht werden, sie einzuholen! Wir setzten in Metten, kurz hinter Regensburg ein. Von nun an hieß es, paddeln, paddeln, paddeln. Nach und nach entwickelten wir einen festen Rhythmus. Zelt abbauen, Boot beladen, paddeln, unterwegs frühstücken, Schlafplatz suchen, Zelt aufbauen, Abendessen, schlafen. Aus Stunden wurden Tage. Aus Tagen wurden Wochen. Unsere Körper passten sich zusehends an die Belastung an. Wir wurden stärker und schneller. Aus 100 Metern, die wir zu Beginn der Tour am Stück durchpaddeln konnten, wurden schließlich 10 Kilometer.

Ziemlich genau einen Monat waren wir unterwegs, als wir am 18.08. die TID in Bulgarien einholten. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Für uns begann damit ein neues Kapitel. Wir nannten es: „Ab jetzt nur noch Urlaub!“. Tatsächlich wurde die Reise für uns von nun an deutlich entspannter. Die Teilnehmer der TID nahmen uns herzlich in ihrer Mitte auf und so fuhren wir gemächlich als bunt gemischte Gruppe weiter. Die TID fährt jedes Jahr die selben Orte an, die gut auf die Reisenden vorbereitet waren. Es verging kein Tag, an dem wir nicht mit einem Volksfest empfangen wurden! Wir waren baff! Musik, Tanz, Schnaps und Gelächter bis zum Morgengrauen. Nach der ruhigen Zeit in der Natur war dass eine echte Umstellung!
Immer weiter paddelten wir dem Schwarzen Meer entgegen.

Nach insgesamt zwei Monaten und 2333 Kilometern erreichten wir schließlich am 06.09.2005 das Schwarze Meer. Was für ein Gefühl! Nur wenige Freunde hatten daran geglaubt, dass wir es tatsächlich schaffen würden. Doch, hier standen wir nun, mit den Füßen im Sand und Salz auf der Haut.

-> weitere Impressionen
Link: „Tour International Danubien“
Link: „DKV-AUSLANDSFÜHRER, DONAU UND NEBENFLÜSSE“

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