Tag 8
Christian ist an diesem Tag sehr früh munter. Das nutzt er, um im Sonnenaufgang einige Aufnahmen mit der Drohne zu machen. Das bietet sich förmlich an, inzwischen von Bergen und Meer. Nachdem auch ich aufgestanden bin, suchen wir uns einen Standplatz heraus, an dem wir für zwei Nächte bleiben können. Warum? Korsika ist eine sehr schöne, jedoch nicht allzu große Insel. Das bedeutet, wir mussten nicht jeden Tag weite Strecken zurück legen, um nach zwei Wochen eine Rundfahrt im „Gebirge im Mittelmeer“ gemacht zu haben. Folglich wird durch weniger Fahrt auch der Akku im Auto weniger geladen. Also wollen wir ein Fleckchen Erde, was nah am Wasser ist, damit wir uns abkühlen und den ganzen Tag das Solarpanel aufstellen können. So eins fanden wir auch.
Schnell ist alles zusammengepackt und wir fahren in die Nähe von Marina Di Pevani. Dort erreichen wir nach einigen Minuten Offroad-Strecke einen großen Platz, der nur etwa 100 m vom Strand entfernt liegt. Da keine anderen Leute dort sind, breiten wir uns aus. Mit dem Tarp im Gepäck als Sonnenschutz, bauen wir uns ein Lager. Die Campingausrüstung mit Stühlen und Tisch haben wir dabei. Man kann schon sagen, dass es erstaunlich scheinen mag, welches Fassungsvermögen Edgar hat und wie luxuriös wir unterwegs sind. Uns fehlt es an nichts und wir sind auf sämtliche Situationen und Aktivitäten vorbereitet.

Als gegen Mittag alles aufgebaut ist, sind wir mehr als bereit dafür uns abzukühlen. Das Meer bietet uns angenehm erfrischendes Wasser und wir schwimmen eine Runde. Wenn einem die Puste beim Schwimmen doch ausgehen soll, legt man sich der Länge nach auf den Rücken und lässt sich kurz treiben. Der Salzgehalt ist so hoch, dass man an manchen Stellen nicht einmal die Arme lang ausstrecken muss, um an der Wasseroberfläche zu bleiben.
Ein weiteres tolles Merkmal des Mittelmeeres ist das klare Wasser. Schon beim Schwimmen kann man tief ins Meer sehen. Es lohnt sich auch an dieser Stelle die Taucherbrillen mitzunehmen. Es ist so interessant, was sich im Wasser befindet und die Fische beim Schwimmen durch die Unterwasserwelt zu beobachten.
Den Nachmittag verbringen wir nicht untätig und sammeln noch einige Rezepte, die wir gern ausprobieren möchten und studieren den Kletterführer Korsikas. Wir warten bis in die Abendstunden auf abgekühlte Temperaturen und eine weniger starke Sonneneinstrahlung, um das Kayak zum Meer zu bringen. Das Wasser ist sehr ruhig und keine Wellen vorhanden.
Das war der perfekte Ort für Christian, die Rolle zu üben. Es sieht gar nicht so schwer aus, aber die Bewegungsabläufe haben es in sich. Um sich langsam heranzutasten, nimmt Christian eine aufblasbare Auftriebsunterstützung für das Paddel. Ich bin, glaube ich, bei seinem ersten Versuch aufgeregter als er selbst, ob er sich in seinem Kayak komplett drehen kann. Er gibt mir einige Instruktionen, wie ich am besten Hilfestellungen geben kann. Dann macht er sich bereit, lehnt sich nach vorn und taucht ab. Meine Anspannung steigt und ich werde nervös. Doch es gibt keinen Grund dazu. Mit Bravour macht er die Rolle und taucht wieder auf. Sehr gut! Bei der einen Rolle bleibt es nicht nur. Christian übt weiter und lässt nach und nach Luft aus dem Paddel-Float. Zur Unterstützung der Rotation hänge ich mich dann vorn ans Kayak und er schafft die Rolle dadurch sogar beim ersten Training auch ohne Hilfsmittel.
Zum Abschluss will ich dann noch etwas Paddeln und lasse mir erklären, welche Bewegungen ich ausführen muss, um zu lenken oder mich nach links und rechts zu schieben. Das ist allerdings noch nicht genug und mir wird vorgeschlagen, ob ich nicht den Ausstieg aus dem Kayak probieren will. Äh… Ok. Mir ist klar, dass ich das früher oder später probieren sollte, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Doch die Angst schießt plötzlich in mir hoch, mein Puls steigt rasant an und ich habe das Gefühl, kaum Luft zu bekommen. Ich brauche lange, um mich zu beruhigen, herunterzufahren und mich durchzuringen, es zu versuchen. Christian ist sehr geduldig mit mir und zählt den Countdown: 10, 9, 8, … Ich hole tief Luft und es ging los in: 3, 2, 1… und ich tauche ab. Meine Angst ist total unbegründet, denn innerhalb weniger Sekunden bin ich wieder über dem Wasser. „Und, hat es Spaß gemacht?“, fragt mich Christian. Ich kann nur antworten: „Ja. Es war echt cool. Können wir das gleich nochmal machen?“ Hier stelle ich wieder fest, dass manche Grenzen nur ein Konstrukt im Kopf sind und sie sich gut überwinden lassen.

