Hochgrat: Trekking Winter

Tourenname: Hochgrat bis Gündlesscharte

Schwierigkeit: Einfache Bergwege
Tourenlänge: 18 km
Höhenmeter: 1239 m Anstieg und 1239 m Abstieg
Ausrichtung: Südost
Höchster Punkt: Hochgrat (1832 m)
GPS: Route und Track als GPX

Die Winterlandschaft in der kalten Jahreszeit ist wunderschön. Weite schneebedeckte Wiesen und Wälder bieten ein Paradies für alle Outdoorfans. Nicht nur im Sommer können viele Aktivitäten draußen an frischer Luft betrieben werden. Auch der Winter bietet viele Gelegenheiten, die Natur zu genießen. Man kann Wandern, die Ski anschnallen, Schlittschuh fahren oder mit den Schneeschuhen losgehen, für was wir uns entschieden haben. Wer eine kleine schöne Wanderung sucht, ist hier genau richtig. In einer 4-tätigen Tour in den Allgäuer Alpen lässt sich der Weg von der Hochgratseilbahn bis zur Gündlesscharte und zurück sehr gut bewältigen und ist auch für Anfänger bestens geeignet.

Um die Wanderung im Allgäu zu starten, muss man erst einmal zum Startpunkt gelangen. Das kann zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Fahrzeug sein. Die Station der Hochgratseilbahn bietet den Vorteil eines großen Parkplatzes. Für wenig Geld kann das Auto mehrere Tage problemlos stehen.

Tag 1

Nachtlager an der Hochgratbahn ©Christian Hein

Wir erreichten den Parkplatz der Hochgratseilbahn gegen Mittag und stellten das Auto ganz hinten auf dem Parkplatz ab. Diese Stelle bietet uns eine gute Startposition für unsere Schneeschuhwanderung. Nachdem wir uns kurz umgesehen haben und ein Parkticket für die nächsten Tage gelöst hatten, stärkten wir uns noch etwas mit frischem Obst und dann ging es los. Wir schnallten die Schneeschuh an, setzten die Rucksäcke auf und machten uns auf den Weg. Die einfache Variante wäre es, mit der Seilbahn nach oben zu fahren. Aber das wollten wir nicht. Dass die Seilbahn uns noch von Nutzen sein ist, sollte sich einen Tag später zeigen… Wir entschieden uns entlang der Skipiste etwa 950 hm aufzusteigen und haben als Etappenziel das Staufner Haus ins Auge gefasst. Bei schönstem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel setzten wir einen Fuß vor den anderen und erklammen Stück für Stück die Skipiste. Klar waren bei diesem Wetter auch Leute mit Ski und Schlitten unterwegs. Davon liesen wir uns nicht stören. Der steile Anstieg machte sich bemerkbar. Wir legten kurze Pausen ein, um durchzuatmen und zu trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist auch im Winter von großer Bedeutung. Im Licht der Abendsonne erreichten wir das Staufner Haus. Und wir mussten feststellen, dass es geschlossen hat… An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass man sich unbedingt vorher informieren muss, weil im Winter nicht jede Hütte täglich besetzt ist. Wir wollten die nächsten Tage sowieso im Zelt schlafen, also war das kein Problem. Wir stiegen noch ein paar Meter weiter auf und gelangten zur Bergstation der Hochgratbahn. Währenddessen ist Abend geworden und die letzten Touristen machten sich auf den Weg ins Tal. Von hier oben bot sich ein schönes Panorama. In Kombination mit dem Sonnenuntergang und der absoluten Stille hatte der Moment etwas Magisches. Wir warteten bis die Bergstation ihr Tagesgeschäft schloss und schlugen unser Nachtlager auf dem schneebedeckten Boden auf. Um uns noch eine Portion Wärme für die Nacht zu geben, kochten wir uns Couscous mit Tomatensuppe. Unter sternenklarem Himmel schlüpften wir in die Schlafsäcke. Für mich war das nicht nur die erste Schneeschuhtour, sondern auch die erste Nacht im Zelt im Winter.

Tag 2

Der Vormittag sollte sich interessant gestalten. Da wir an einer Seilbahnstation übernachtet haben, wollten wir vor Öffnen des täglichen Betriebs unser Zelt zusammengepackt haben. Das gelingte uns auch. Nachdem wir unsere Sachen vollständig im Rucksack verstaut hatten, kamen wir mit anderen ins Gespräch. Witzigerweise erzählte uns ein Tourist, er habe heute früh schon unser Zelt gesehen. “Was?” Die Bergstation ist mit einer Webcam und einem Livestream ausgestattet. Somit kann die aktuelle Wetterlage überprüft werden und es wird gesehen, wer oder was alles da ist. So auch unser Zelt. Wer weiß, wie viele uns des frühen Morgens schon gesehen haben… Naja gut. Wir wollten noch in der Bergstation Frühstücken. Als wir uns am lecker aussehenden Frühstücksbuffet bedienen wollten, stellte Christian fest, dass er kein Portmonne dabei hat. Und ich hatte meins nicht mitgenommen. Wir durchwühlten noch einmal unsere Sachen, erfolglos. Dann durchdringte uns der Gedanke: “Das muss noch im Auto auf der Ablage liegen.” Es ist ziemlich sicher, dass es tatsächlich auch so ist. Das bedeutet, wir müssen wieder absteigen und verlieren eine halben Tag. Unser frühes Aufstehen wäre also für umsonst gewesen. Christian erklärte dem Personal die Situation und sie ließen ihn freundlicherweise kostenfrei nach unten fahren. Nach über einer Stunde Wartezeit, kam er mit der Mittagssonne und seinem Portmonee wieder. Mit einem Germknödel holten wir uns genügend Energie für die nächsten Stunden. Bevor wir uns aufmachten, erworb ich noch eine Sonnenbrille. Die Sonnenreflexion des Schnees hatte ich unterschätzt. Danach marschierten wir los zum Gipfelkreuz des Hochgrats.

Blick auf die Nagelfluhkette ©Christian Hein

Inzwischen waren aufgrund der vorangeschrittenen Zeit und des Kaiserwetters viele Touristen unterwegs. Das störte uns nicht, denn unsere Route führte uns weiter über touristisch unerschlossene Wege. Ab dem Gipfel gab es zwei Möglichkeiten weiterzugehen. Die eine ist es, in Richtung Rindalphorn zu gehen und eine Gratwanderung zu machen. Die andere ist, auf der Südost-Seite etwas ins Tal abzusteigen und dort weiter zu gehen. Geplant war es, mit den Schneeschuhen über den Grat zu wandern. Um uns das Ganze anzusehen, gingen wir nach dem Gipfelkreuz etwas weiter. Der zu begehende Weg wurde schmaler und die ersten Wanderer kamen uns wieder entgegen.

“Wir würden euch nicht empfehlen, da lang zu gehen. Es sind zwar zwei Skispuren, aber der Weg ist sehr eng. Und es besteht Lawinengefahr.”

Wir entschieden uns für die zweite Variante, auch weil ich noch nicht so trittsicher war. Wie stiegen ab ins Tal, liesen die Brunnenau-Scharte auf der linken Seite hinter uns und liefen in Richtung Osten weiter. Als die Sonne dem Horizont näher kam, suchten wir nach einem Platz für die Nacht. Auf einer leichten Erhebung bereiteten wir uns den Schlafplatz vor. Als wir die Schneeschuh abschnallten, bemerkten wir erst einmal, wie hoch der Schnee liegt. Bis zu den Knieen sind wir eingesunken. Durch die größere Auflagefläch der Schneeschuh verteilt sich das Gewicht und man sinkt kaum in die Schneedecke ein.

Tag 3

Wieder wurden wir im Zelt durch die warmen Sonnenstrahlen geweckt. Auch an Tag 3 blieb uns die Sonne erhalten. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit selbst gemachtem Müsli und dem ersten Mal Haare waschen draußen und das im Winter, machten wir uns auf den Weg. Wir liefen eine steile Schneise herunter in Richtung Gündleskopf. Zwischen Tannen, freien Flächen, Skispuren und Bergen ergibt sich eine wunderschöne Landschaft. Wir mussten nicht hetzen und konnten die Wanderung genießen. Wir entschieden uns dafür, heute nicht weit zu laufen und morgen zum Startpunkt zurück zu kehren. Für eine weitere Strecke war die Zeit zu knapp. Wir steuerten die Gündlesscharte an. Am frühen Abend kamen wir an diesem Zielort an. Es war noch hell. Genügend Zeit, um ein warmes Abendessen zuzubereiten und die Lichtverhältnisse zum Fotografieren zu nutzen. Als es dunkel war, legten wir uns zufrieden in die Schlafsäcke.

unser Weg ins Tal ©Christian Hein

Day 4

Wir wurden am Vormittag des vierten Tages zum Schauobjekt von Skitourern. Unser gewählter Nachtplatz lag genau an einer Wanderroute. Das gab Anregung für einige Gespräche. “Wie? Ihr habt hier geschlafen?” “Ja. Das haben wir. Es war nachts nicht kälter als -4°C.” Nach dem Frühstück packten wir zusammen und schnallten die Schneeschuh an. Wir gingen auf der Nordseite entlang der vorhandenen Skispuren. Diese führten uns ins Tal, über Brücken und an einigen Hütten vorbei, die allerdings im Winter nicht betrieben waren. Das letzte Stück dieser Tour gingen wir auf der vereisten Straße und gelangten wieder zum Parkplatz der Hochgratbahn.

Fazit: Diese Tour ist sehr gut für Einsteiger geeignet. Wichtig ist, daran zu denken, dass im Winter nicht alle Hütten geöffnet sind.

Höhenprofil der Wanderung
Höhenprofil der Wanderung

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