Dolomiten – Vajolet-Türme (Delagoturm)

Tourenname: Delagokante
Schwierigkeit: 4+ UIAA
Absicherung: alpin
Routenlänge: 120m
Ausrichtung: Südwest
Zustiegszeit: 15min von Gartlhütte; 1h von Vajolett-Hütte
Abstiegszeit: 1h
Felstyp: Dolomit
GPS: Ort als GPX

Große Bekanntheit, ein gewisser Traditionswert, hohe Qualität und ein enormer Wiedererkennungswert – die Delagokante erfüllt alle Merkmale eines wahren Klassikers.

Entlang der schroffen Kante des Delagoturms verläuft die teilweise stark ausgesetzte Kletterroute. Der Delagoturm gehört zu den sechs Vajolet-Türmen in den Südtiroler Dolomiten. Benannt wurden Turm und Route nach dem österreichischen Alpinisten Hermann Delago. Dieser hatte den 2790m hohen Felsen 1895 erstmals bestiegen – im Alleingang!

Unser Ausflug beginnt in Muncion, einem kleinen Ort oberhalb von Pera. Hier lassen wir unser Auto stehen und packen das Kletterzeug zusammen. Unser Ziel ist die etwa 6,5km entfernte Vajolett-Hütte. 6,5km sind sicher eine machbare Strecke, aber wir haben es eilig und nehmen deshalb das Linientaxi. Der weiße Kleinbus fährt etwa stündlich von Pera aus hinauf nach Muncion und dann weiter bis zur Gardeccia-Hütte (Preis für Hin- und Rückfahrt 10€).Von hier aus geht es dann zu Fuß weiter bergan bis auf 2246m Höhe bis zur Vajolett-Hütte. Nach etwa 1 Stunde Fußmarsch erreichen wir unser Ziel. Die Hütte ist überraschend groß und verwöhnt uns mit einem grandiosen Drei-Gänge-Menü. Lange bleiben wir aber nicht im wohligen Speiseraum: Morgen geht es früh raus zur Delagokante!

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ich bei einer Pause ©terragraphy

Pünktlich gegen 5.00Uhr brechen wir auf. Obwohl es Mitte Juni ist, ist hier oben von Hochsommer nicht viel zu spüren. Es weht ein eisiger Wind! Wir beginnen den Zustieg zur Wand. Von der Vajolett-Hütte aus geht es steil hinauf durch die „Steinerne Rinne des Rosengartens“ bis hinauf zur Gartlhütte. Etwa eine Stunde später sind wir oben – und damit ziemlich genau am Zustieg unserer Route: Der Einstieg ist nur 15min entfernt … aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Es schneit! Im Juni! Aber was soll‘s? Wir gönnen uns eine heiße Schokolade in der Gartlhütte und warten darauf,dass es etwas aufklart. Gegen 8 Uhr ist es dann endlich so weit. Wir legen unser Kletterzeug an und marschieren die letzten Meter zur Wand.

Den Zustieg finden wir ohne größere Probleme. Wir sind die einzigen an der Route – was angesichts ihrer enormen Beliebtheit sehr selten vorkommen soll. Das düstere Wetter hat wahrscheinlich viele Seilschaften abgeschreckt. Mittlerweile lässt sich jedoch ab und zu die Sonne blicken. Die Wolken rasen, getrieben vom starken Wind über den Himmel. Wir haben die ersten Seillängen der Delagokante hinter uns gebracht. Die Route ist alpin abgesichert: Zwischen den sanierten Ständen finden sich einfache Zwischenhaken. Es schadet nicht ein paar Keile und Friends dabei zu haben. Zwei 50m lange Seile reichen aus.

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was für eine Ausicht ©terragraphy

Die Landschaft ist phänomenal! Desto höher wir steigen, desto weiter öffnet sich der Blick auf den umliegenden Rosengarten. Mit einem moderaten Schwierigkeitslevel (max. 4+) bleibt genug Atem, um das grandiose Panorama zu bewundern. Ein paar Adrenalinschübe erlebe ich aber trotzdem: Die Route ist teilweise extrem ausgesetzt … und sich in luftiger Höhe um die Kante zu schwingen treibt meinen Puls ab und an kräftig nach oben. Aber gerade dieser Mix aus Spannung und Entspannung macht die Delagokante erst zu einer der schönsten Klettertouren der Alpen.

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fast auf dem Gipfel ©terragraphy

Nach fünf Seillängen haben wir es geschafft! Wir erreichen den Gipfel, ein kleines Plateau gegen Mittag und genießen das 360 Grad Panorama. Unter uns liegt winzig klein die Gartlhütte, darunter die Weite des Tals. Wir saugen den Anblick in uns auf. Leider ist der Wind hier oben so stark, dass wir uns bald wieder an den Abstieg machen, um nicht komplett auszukühlen.

Der Abstieg gestaltet sich schnell und unkompliziert. Entlang der Ost Seite des Turms seilen wir uns über mehrere Stände ab. Nach einer guten halben Stunde haben wir wieder festen Boden unter den Füßen.

Fazit: Eine ausgesprochen schöne Kantenkletterei mit spannenden Bewegungsabläufen und tollem Ausblick in moderatem Schwierigkeitsgrad.

weitere Impressionen

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Karte der Umgebung um dem Delagoturm

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