Der richtige Rucksack und wie man ihn packt

Ein Rucksack hat die richtige Größe, wenn er alles fasst, was du mitnehmen willst. Nicht mehr und nicht weniger.

Häufig ist es jedoch schwierig abzuschätzen, was man unterwegs so alles braucht. Das verleitet oft dazu, zu viel einzupacken.
Was du tatsächlich an Ausrüstung brauchst, hängt natürlich eng damit zusammen, was du vorhast.

Frage Nummer 1 ist also: „Was hast du vor?“
Je nach Vorhaben gibt es Kategorien von Rucksäcken, die sich in Form und Volumenzahl unterschieden. So gibt es beispielsweise spezielle Rucksäcke fürs Trekking, für Tagestouren, Fahrradreisen, alpine Touren oder den normalen Alltagsgebrauch.
Ein weiterer entscheidender Faktor bei der Wahl des richtigen Rucksacks ist deine Körpergröße – genauer gesagt geht es dabei um deine Rückenlänge. Rucksäcke sind unterschiedlich konzipiert und passen deshalb nicht auf jeden Rücken.
“Woran erkennst du, dass ein Rucksack gut sitzt?”
Indem du ihn anprobierst – und zwar nicht im leeren Zustand, sondern mit Gewicht. Die meisten Outdoorläden haben Sandsäcke oder andere Gewichte, um den Rucksack zu “beladen”. Gehe ruhig eine Runde durch den Laden und achte darauf, wie der Rucksack sich anfühlt und ob es irgendwo unangenehm reibt oder drückt. Es lohnt sich auch verschiedene Rucksackmodelle auszuprobieren, um einen Vergleich ziehen zu können.
Prinzipiell solltest du darauf achten, dass der Hüftgurt am Hüftknochen anliegt (nicht darüber und nicht darunter!). Der Großteil des Gewichts sollte dadurch an deinen Hüften liegen und nicht auf deinen Schultern. Rucksäcke mit kleinen Volumenzahlen, wie beispielsweise Tagesrucksäcke, sind nicht dafür ausgelegt das Gewicht auf die Hüfte zu verteilen, da man davon ausgeht, dass solche Rucksäcke nicht schwer beladen werden. Aus diesem Grund sind die Hüftgurte bei kleinen Rucksäcken auch meist sehr schmal und wenig gepolstert. Sie dienen eher dazu den Rucksack am Körper zu befestigen, damit er nicht rumschlackert, deshalb müssen sie auch nicht unbedingt am Hüftknochen aufliegen.
Die Schultergurte sollten in jedem Fall nicht nach oben hin abstehen, sondern an den Schultern anliegen.
Größere Rucksäcke haben in der Regel ein variables Tragegestell mit welchem die Länge es Rückenteils verstellt werden kann.

Wie viel Gewicht willst du tragen?

Kungsleden trail
einer der letzten Wegmakierungen auf dem Weg zur Kebnekaise fjällstation ©Jarno Hein

Eine schwierige Frage! Zumal es nicht nur ums Wollen, sondern auch ums Können geht.
Prinzipiell solltest du nach einem Rucksack suchen, dessen Tragegestell für möglichst viel Gewicht ausgelegt ist (es muss aber kein Schwerlastenrucksack sein).
Hierbei unterscheiden sich billige Rucksäcke schon sehr von den teureren Modellen.
Doch ist das Tragegestell überhaupt so viel mehr Geld wert?
Ja! Rucksäcke mit einem Tragegestell verteilen das Gewicht besser über den Körper und geben somit einen deutlich angenehmeren Tragekomfort.
Selbst wenn du einen Rucksack, dessen Tragegestell für 20kg ausgelegt ist, mit nur 10kg bepackst, wirst du einen Unterschied merken: Das Gewicht wird gleichmäßiger über den Körper verteilt, da die Trage- und Hüftgurte breiter sind.

Wie viel Gewicht sollte ich maximal Tragen?
Hier gibt es einige Faustregeln:
Bei der Bundeswehr sagt man (Körpergewicht / 3)
Ein normal sportlicher Mensch (Körpergewicht / 4)
Weniger trainierte Menschen sollten lieber (Körpergewicht / 5) anpeilen.

Den Rucksack richtig packen

Prinzipiell sollte schwere Ausrüstung möglichst nah am Rücken deponiert werden. Ist die Last zu weit vom Körperschwerpunkt entfernt, wirst du beim Gehen, Steigen und Klettern in die falsche Richtung gezogen … und das wird auf Dauer verdammt anstrengend! Denn je weiter das Gepäck vom Körper entfernt ist, desto höher sind die Hebelkräfte auf den Oberkörper.
Aus diesem Grund solltest du auch nichts Schweres außen an den Rucksack binden – oder noch schlimmer: baumeln lassen! Ausrüstung außen an den Rucksack zu befestigen ist außerdem keine gute Idee, da du damit leichter hängenbleibst, dem Wind eine größere Angriffsfläche bietest und die Sachen schnell nass und schmutzig werden.
Neben dieser Grundregel gibt es noch kleine Unterschiede beim Packen, abhängig von der Fortbewegungsart. So packt man beispielsweise beim Wandern das schwere Gepäck ein wenig höher, etwas unterhalb der Schulterblätter. Der Rucksack unterstützt dann die leicht nach vorn gebeugte Gehhaltung, ohne dass das Gewicht nach hinten oder unten zieht.
Beim Steigen bzw. Klettern ist die Körperhaltung aufrechter. Folglich solltest du schwere Gegenstände eher auf Höhe der Körpermitte deponieren. Somit ist der Körper mehr in Balance.

with the backpack into the wild
mit dem Rucksack in die Wildnis ©Jarno Hein

Ordnung im Rucksack: Was gehört wohin?

Die Ordnung im Rucksack ist eine schwierige und sehr individuelle Angelegenheit.
Neben der physikalisch-logischen Gewichtsverteilung, die sich auf den Tragekomfort auswirkt, gibt es noch weitere wichtige Aspekte. Zu ihnen zählen Erreichbarkeit und die Packreihenfolge.
Hier liegt es an jedem selbst, sein persönliches Optimum zu finden.
Einen generellen Vorteil haben hier Rucksäcke mit einem Frontöffner. Sie ermöglichen den Zugriff durch eine weitere Öffnung.

Was brauche ich wann?
Diese Frage solltest du dir stellen, wenn du deinen Rucksack möglichst effektiv beladen möchtest. Dabei hilft es auch sich den Tagesablauf möglichst detailliert vorzustellen. Hilfreich kann es auch sein sich zu notieren, was man wann, wie oft und in welcher Reihenfolge benötigt.

Das kann z.B. bei einer Trekkingtour folgendermaßen aussehen:

  1. Aufbruch bei Regen:
    Packen des Rucksacks im Zelt (Zelt ist der letzte Gegenstand der verpackt wird)
    Zelt ist nass und muss wasserdicht verpackt sein
    Rucksack mit Regenschutz überziehen
  2. Das Wetter wird besser:
    Regensachen sind nass und müssen trocknen
  3. kleine Pause:
    kleine Snacks sollten leicht zugänglich sein (z.B. in einer Außentasche)
    Das Gleiche gilt für Wechselsachen und einem Pullover zum schnell mal drüber ziehen solange man eine Pause macht.
  4. Mittag: (Längere Pause ohne kochen)
    Hier kann etwas tiefer im Rucksack nach essen gesucht werden. Im Deckelfach ist ein geeigneter Ort. Längere Pausen sind außerdem ein guter Zeitpunkt die Wasserreserven wieder aufzufüllen. Das heißt: Wasserfilter und Trinkflasche bzw. Trinkblase sollten zugänglich verstaut sein, damit man nicht den kompletten Rucksack neu packen muss.

Durch das Durchspielen verschiedenster Szenerien optimierst du nicht nur die Verteilung der Gegenstände im Rucksack, du prägst dir dadurch auch ihre genaue Position automatisch mit ein. Besonders in Stresssituationen, wie einem Unfall oder einer anderen Notlage, ist dies von großer Bedeutung.

„Wo ist das erste Hilfeset?“
Ist so ungefähr das Letzte, was man als Verwundeter hören möchte!

Sehr hilfreich sind außerdem Packbeutel, da man so alles zusammenpacken kann, was zusammen gehört (z.B ein Beutel für T-Shirts, einer für Schmutzwäsche…). Darüber hinaus erleichtern unterschiedliche Beutelfarben das Suchen enorm.
Ein weiterer Vorteil von Tüten oder Packsäcken: sie schützen die Sachen zusätzlich vor Feuchtigkeit.

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