Pik Lenin

Tourenname: Pik Lenin (Nordwest-Route)
Schwierigkeit: mittel
Höhe: 7134m
Routenlänge: 30km
Ausrichtung: Nordwest
GPS: Route und Track als GPX

Der Pik Lenin, 7.134 m, ist der höchste Berg der Transalai-Kette im nördlichen Teil des Pamir (Zentralasien).
Das ist der Gipfeltag wie ihn Arne erlebt hat:

Pik_Lenin_camp2Es ist 2:45 Uhr. Ich schalte den Wecker aus, krabble aus dem Schlafsack und ziehe mich an. Noch kurz ein Kaffeemüsli gekocht und dann geht es auch schon los. Ich verlasse das Camp 2.
Ursprünglich wollten wir zum Camp 3, dort eine Nacht schlafen und von da aus zum Pik Lenin aufbrechen. Leider vertragen meine beiden Reisepartner die Höhe nicht mehr. Ich bin ihnen dankbar, dass sie mir dennoch die Möglichkeit geben den Gipfel zu erreichen und noch einen Tag im Camp 2 auf 6200 hm ausharren.

Ich komme gut voran. Wie geplant erreiche ich Camp 3 gegen 6:00 Uhr. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg über die umliegenden Berge. Was für ein Panorama!
Schließlich sehe ich vor mir die erste Gruppe, die sich an diesem Morgen von Camp 3 aus auf den Weg zum Gipfel gemacht hat. Der Pik Lenin ist ein ausgesprochen beliebter Berg!
Häufig als „leichter Einstiegs-7000er“ bezeichnet, zieht er die Abenteuerlustigen an wie Licht die Motten. Kein Wunder, dass hier inzwischen eine richtige Tourismusbranche gewachsen ist!

Die Abstände zwischen den wegweisenden Fahnen werden nun zunehmend größer. Ein gut sichtbarer Trampelpfad im Schnee zeigt aber verlässlich, wo es langgeht.
Ich hole die Gruppe ein. Sie sehen erschöpft aus. Kurze Zeit später überhole ich noch zwei weitere Wanderer. Beides eher Zombies an Stöcken. Mühsam torkeln sie Schritt für Schritt vorwärts und wanken dabei gefährlich in alle Richtungen.
Ich erreiche das nächste Schneefeld. Trotz des relativ festen Schnees breche ich immer wieder knietief in die Schneedecke ein. Mittlerweile ist es 10:30. Ich mache eine Pause.

Pik_Lenin_sun

Seit sieben Stunden laufe ich jetzt schon hart am Limit. Hinzu kommt die Höhe.
Aber gut, noch geht es. Ein-zwei Riegel, ein bisschen Wasser und ich kann weiter laufen.
Über mir sehe ich weitere Wanderer. Plötzlich stutze ich: sie ziehen eine Person den Hang hinunter. Ich packe schnell meine Sachen zusammen und laufe hin.
Die gezogene ist eine Frau. Sie hat sich gerade nochmal übergeben und ist am Rande der Bewusstlosigkeit.
Wir versuchen sie wieder auf die Beine zu stellen, um sie stützend den Hang hinunter zu bugsieren, aber es funktioniert nicht – immer wieder wird sie ohnmächtig.
Es hilft nichts: Wir werden sie ziehen müssen. Verdammt anstrengend in dieser Höhe! “Wir brauchen mehr Leute!” rufe ich und zeige auf die andere Gruppe, die ich überholt habe. Sie sind noch ein gutes Stück unter uns. “Ja” stimmen sie zu und winken sie heran.
“You want summit?” fragt mich plötzlich einer der Helfer. “What?” “You want go up? Summit? With Simon?” und zeigt auf einen Zombie, der gerade vorbei gewackelt ist und jetzt, ein wenig weiter oben, auf seine Stöcke gestützt steht und schwankt. Ich zucke mit den Schultern. Zum Gipfel? Dafür bin ich ja eigentlich hierher gekommen.
“Go up and give Simon Walkie-Talkie, summit!” Also gut, dann los, her mit dem Walkie-Talkie und hoch. Zweimal muss ich auf dem Weg zu Simon noch kurz anhalten und Luft schnappen, dann drücke ich ihm das Gerät in die Hand. “Hi, I’m Arne.” “Hi I’m Simon. We go up together?” Ich zucke die Schultern “Yes, you know how far it is?” er schaut auf sein GPS, “we are at 7014, 700m to go. Let’s go up, take pictures and than fast down again.”
Also doch noch relativ weit, denke ich mir. “Ok, let’s go!” Er wackelt vor, etwa acht Schritte und muss dann verschnaufen. Vielleicht war der mit dem Walkie-Talkie ja sein Guide und wollte dass ich auf ihn aufpasse? Ich warte bis Simon ein Stück voraus getorkelt ist, laufe dann hinterher und setze mich wieder hin. Das passiert noch so zwei-drei mal. Unten kümmern sie sich um die Bewusstlose. Sie versuchen sie zu ziehen. Es sieht mühsam aus.
Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?! Schießt es mir plötzlich durch den Kopf. Ich sollte dort unten sein und helfen, diese Frau zu bergen! Stattdessen bin ich mit dem schwankenden Zombie auf dem Weg zum Gipfel. Und wofür? Für ein Foto mit Lenin? Fotos mit denen ich mich Zuhause brüsten kann? Sowas Bescheuertes!!

“You don’t want to go up? It’s not far, just 103 meters more up.” fragt mich Simon mit einem Blick auf sein GPS. Nur noch 103 Höhenmeter … wir sind so verdammt nah am Ziel! Doch es ist nicht mehr mein Ziel: „I’m not into summiting high mountains that much. It’s enough for me, I rather help.” antworte ich ihm. Und kehre dem Pik Lenin den Rücken…

weiter Impressionen

Pik_Lenin_rescue

hoehe_Pik_lenin

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